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Die
"Reichenauer Künstlertage", in diesem Jahr vom 5.-7. Oktober
abgehalten und vom Vorstand des Kunstvereins der Diözese Rottenburg-Stuttgart
vorbereitet und ausgerichtet, standen unter dem Thema "Gebet und
Raum". Was mit dieser Themenstellung beabsichtigt war, verdeutlichte der
Einladungstext folgendermaßen: "Räume haben sinnliche Qualität.
Zugleich sind sie sinnmächtig; sie konstituieren Sinn, sei es als solche, sei
es aufgrund ihrer Funktion. Das, wozu ein Raum dient, verdichtet sich in ihm.
Materielles und Geistiges bedingen und durchdringen sich wechselseitig. Das
gilt in besonderem Maße vom sakralen Raum. Er dient der Begegnung mit dem
Heiligen und ist zugleich Ort seiner Gegenwart. Ein Ort der Verehrung, der
Feier und des Gebets. Ein mystischer Ort, zu dessen Qualitäten es gehört,
dass er Menschen zu sich selbst bringt und sie über sich hinaus führt."
Keine
Frage: Es ist nicht gleichgültig, in welchem Raum sich eine Gemeinde zur
Feier des Gottesdienstes versammelt. Von Klemens Richter gibt es hierzu das
wichtige, kleine Buch "Kirchenräume und Kirchenträume. Die Bedeutung
des Kirchenraums für eine lebendige Gemeinde" (Freiburg- 1998). Gleich
im einleitenden Kapitel - "Prägung des Glaubens durch den liturgischen
Raum" - wird herausgestellt: "Dass die Liturgie Feier des Glaubens
ist und daher auch den Glauben prägt, wird wohl weithin
als
selbstverständlich betrachtet. Dass dies aber auch für den Ort gilt, an dem
sich Christen zu ihren liturgischen Feiern versammeln, scheint keineswegs in
gleicher Weise selbstverständlich zu sein. Dabei kann kein Zweifel darüber
bestehen, dass auch der liturgische Raum den Glauben prägt und diesen Glauben
durch seine Gestaltung zum Ausdruck bringt ... Die Raumgestalt ist zudem
Ausdruck des Selbstverständnisses von Gemeinde und Kirche, Spiegelbild eines
ganz bestimmten Kirchenverständnisses, einer ganz bestimmten Ekklesiologie."
Das
für die Reichenauer Tagung gewählte Thema war freilich weiter gefasst. Es
beschränkte sich nicht, wie Richters Buch, auf den Bereich "Liturgie und
Raum", sondern war offener, allgemeiner gehalten: "Gebet und
Raum". Die Thematik wurde "aus theologisch-liturgiewissenschaftlicher,
künstlerischer und architektonischer Sicht" angegangen (Text der
Einladung).
Den
Anfang machte der Künstler, und das war gut so; schließlich befand man sich
auf "Künstlertagen" und waren es auch vor allem Künstlerinnen und
Künstler, die sich zur Tagung eingefunden hatten. Zum Auftakt also, noch am
Sonntagabend, Hans Peter Reuter (Nürnberg; früher Karlsruhe) mit seinem
Diavortrag "Gebet und Raum - Betrachtungen eines Malers". Reuters
Thema ist der Illusionsraum, den er in seinen Arbeiten in immer neuer
Variationen aus gemalten farbigen Kacheln entstehen lässt, wobei er sich
streng an das "Dogma der Flächigkeit" hält. Mit seinen Bildern, so
Reuter, schaffe er "neue Räume in der Vorstellungswelt des
Betrachters." Von größter Wichtigkeit bei der Gestaltung dieser Räume:
das Licht! "Bilder, auf denen nichts darauf ist und alles darin."
Der
theologische und liturgiewissenschaftliche Part war bei der Tagung Angelus Häußling
von der Benediktinerabtei Maria Laach zugeeilt. Der Ausgangspunkt: "Der
Glaubende tritt in Kontakt
mit Gott: Gott hört - der Glaubende hört." Das Sprechen mit
Gott in Klage und Bitte, in Freudenruf und Loblied; die Feier des Festes, die
Eucharistie des christlichen Gottesdienstes. Der Referent zeigte in diesem
Zusammenhang den Kloster-(Kirchen-) Plan von St. Gallen, der eine
bemerkenswerte Besonderheit aufweist: einerseits die prunkvolle Fülle der
Hauptkirche, dem Ort der gemeinsam gefeierten Liturgie; anderseits das
Oratorium, der karge "Raum des Gebets": das "Sich- Finden in
einem leeren Raum". Wichtig auch der Hinweis, dass sich "Glaube und
Gebet der Christen immer auf Geschichte beziehen.
Das Hochgebet der
Eucharistiefeier mit der Anamnese, dem
Blick auf "Gottes Taten an Jesus Christus ".
In
der anschließenden Diskussion dann die Frage: "Ist der Raum beliebig, in
dem man beten kann?" "Für den einzelnen: Ja." Dagegen,:
"Für eine Gemeinde ist es nicht beliebig, wo sie betet."
(Siehe
die obigen Ausführungen aus dem Buch von K. Richter.) Mit Andreas Hoffmann
(Eningen) kam im 3. Referat nochmals ein Künstler zu Wort:
"Rauminszenierung. Selbstbegegnung -
Fremdbegegnung".
Hoffmann stellte dabei sein einstweilen nur als Videofilm existierendes
Projekt "Körperwege - Hautkontakt - Eine Inszenierung für einen
Spieler/Zuschauer" vor, das hier nicht in seinen Einzelheiten geschildert
werden kann. Nur dieses: Eine Person, die zugleich Spieler/Zuschauer ist,
betritt einen Raum. Sie legt in sieben Stationen den Weg ins Zentrum des
Raumes zurück. Dort spielt die 8. Station, am Wasserbecken. "Das
Geschehen erinnert
an die Taufe; Gang in die Mitte des Labyrinths; ein modernes
Mysterienspiel" - Urteile die in der abschließenden Diskussion abgegeben
wurden. Schließlich als
Architekt Arno Lederer (Stuttgart - Karlsruhe), der
sich in seinen Ausführungen auf das schwierige Gebiet des "Sakralen in
der Architektur / im Menschen" begab. Zu Recht betonte er: "Das
Sakrale ist seit der Aufklärung suspekt geworden. Zurückhaltend sprach er
dann vom Raum, "dem man das Attribut 'sakral'
zuschreibt." Abwesenheit des Zweckes -
Faszination des Unerklärlichen. Der Glaube als "Hinweis auf das, was fehlt."
Nichts mit dem Thema der Tagung hatte der Vortrag von Diözesanjustitiar
Felix Hammer (Rottenburg) zu tun: "Tisch des Herrn als Handelsware?"
Hier ging es schlicht um ein Problem, mit dem sich viele Künstler
herumzuschlagen haben: Darf das Finanzamt für Arbeiten, die für Kirchen
ausgeführt werden (Altäre, Ambonen...) einen höheren Satz der
Mehrwertsteuer erheben als für "freie Kunstwerke"? Es wäre
wichtig, so war zu hören, dass die Künstler in dieser Sache nicht der Willkür
von Finanzbeamten ausgesetzt bleiben.
Zur
Reichenauer Tagung gehörte wieder eine "Infothek", eine
Dokumentation von jüngsten Arbeiten der teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler;
eine Einrichtung, die sich sehr bewährt hat.
Schließlich
fanden sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung im Münster von
Mittelzell zu einem festlichen Gottesdienst zusammen, der von Weihbischof Uhl
(Freiburg) geleitet wurde. Seine besondere Note erhielt dieser Gottesdienst
durch die großartigen modernen Orgelkompositionen, die Christa Wetter
(Karlsruhe) vortrug. Bleibt zu erwähnen, dass die Tagung 2004 vom 3.-5.
Oktober stattfinden wird.
Franz
Scherer
Mitglied in
der Gemeinschaft Christlicher Künstler
webmaster: h.opp/aktualisiert
Ok 2006
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